Fluorcarbonfreie Imprägnierung

  • Projektziel: Untersuchung des Verhaltes neuartiger, FC-freier Imprägnierungen auf Meterware nach der professionellen Textilreinigung in verschiedenen Lösemitteln sowie von Nachimprägnierungen in der Textilreinigung.
    Spätestens seit der Kampagne DETOX („Entgiften“), in der sich Greenpeace-Aktivisten für schadstofffreie Textilien einsetzen, stehen die gängigen Ausrüstungsmittel für die Wasser- und Ölabweisung mit perflourierten und polyflourierten Chemikalien (PFC) in starker Kritik. Denn als Ausgangsprodukt zur Herstellung der Perfluoralkylgruppen kommen Perfluoroctansulfonate (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA) zum Einsatz (bei beiden handelt es sich um sogenannte C8-PFCs, deren chemisches Grundgerüst aus acht Kohlenstoffen besteht), die als beträchtlich umwelt- und gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Aus diesem Grund ist PFOS seit 2006 durch die Europäische Direktive 2006/122/EC stark beschränkt und PFOA einer Bewertung des davon ausgehenden Risikos unterzogen worden.

    Diese Stoffe sind auch in der fertigen Imprägnierung in Spuren noch vorhanden. Daher werden dafür bereits als Alternative vielfach kurzkettige Fluorcarbon-Ausrüstungen (sogenannte C6-PFCs) mit vergleichbarem Imprägniereffekt eingesetzt. Bis spätestens zum Jahre 2020 soll es jedoch das Ziel sein, PFC in Bekleidungstextilien (nicht PSA-Ware) vollständig zu eliminieren.

    In diesem Zusammenhang steht die gesamte Textile Kette vor einer enormen Herausforderung. Denn die Flourcarbon-Ausrüstungen sind somit sowohl bei der Herstellung bzw. Imprägnierung von Meterware als auch beim Nachimprägnieren in der Textilreinigung durch fluorcarbonfreie Ausrüstungen zu ersetzen. Wichtig bei der Entwicklung von Alternativen ist, dass die Funktionalität der Ausrüstungen nicht eingeschränkt und das Textil auch in sonstiger Weise nicht negativ verändert wird.

    Die führenden Chemikalienhersteller arbeiten bereits an der Entwicklung entsprechender Alternativen. Dabei sind die unterschiedlichen Anforderungen an die Ausrüstung je nach Zeitpunkt der Aufbringung der Imprägnierung sowie der Behandlung der Ware zu berücksichtigen. Dies stellt gewisse Herausforderungen dar, die bisher noch nicht eingehend untersucht wurden.
    Die Imprägnierung von Meterware ist in der Regel einfacher zu steuern als die Nachimprägnierung in der Textilreinigung. Denn bei der Meterware wird die Imprägnierung „nur“ auf die Fläche appliziert. Konfektionierte Textilien, die in der Reinigung bearbeitet werden, hingegen sind 3-dimensional und ggf. noch mit verschiedenen Zutaten und Accessoires versehen.
    Bei der derzeitigen Methode der Nachimprägnierung mit herkömmlichen Imprägniermitteln auf Basis von Flourcarbon haben sich zum Beispiel folgende Punkte als kritisch erwiesen:
    • Zutaten, wie Knöpfe etc. dürfen durch die Imprägnierung nicht beeinträchtigt werden.
    • Zur Erzielung eines optimalen Effektes bei der Nachimprägnierung sind hohe Temperaturen beim Trocknen (Ausgangstemperatur von ca. 75°C) erforderlich.
    • Bei einigen Produkten ist ein Nachbügeln erforderlich, um die Funktion der Nachimprägnierung zu aktivieren. Dies kann sich an gewissen Stellen als schwierig erweisen.
    • Der Imprägniereffekt ist häufig erst zwei Tage nach der Behandlung gegeben.
    • Im Naßreinigungsverfahren ist häufig eine bessere Wirkung der Imprägnierung zu erzielen als bei der Trockenreinigung im organischen Lösemittel.
    • Bei der Zugabe von Imprägniermitteln im Bad darf keine spätere Einschränkung der Atmungsaktivität (z. B. von möglichen Zwischenmaterialien wie Membranen) hervorgerufen werden.
    • Bei stark verfleckter Ware kann durch eine Detachur ggf. die Imprägnierung zerstört werden.

    Erfahrungen mit fluorcarbonfreien Ausrüstungen liegen bisher nicht vor. Das soll sich mit einem EFIT-Projekt ändern. Interesse an einer Mitarbeit? Wir freuen uns.

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